Es
geschah in den Tagen, als
vom Stamme der Engelhardts noch im Liftstüberl wohnte. Da lebte
in einem anderen weit entfernten Ortsteil der Ramsau, auf der Leiten,
ein frommer und gerechter Junggeselle, namens .
Eines Tages, so um die 24. Stunde, als
im Gasthaus vor einem Krug voll Gerstensaft so vor sich hin träumte,
hörte er eine innere Stimme, die sprach zu ihm: „,
erwache! Verlasse eilig diesen lasterhaften Ort und begebe Dich
zu Bett um Deinen Rausch auszuschlafen! Denn morgen sollst Du Dir
einen Ort ansehen, welcher Schildlehen geheißen wird. Und sei Dir
gewiss, dort schmachtet eine liebliche junge Frau mit Namen
nach ihrem Verheißenen.“ Da sagte
zu dieser inneren Stimme: „So laß mich dieser wunderbaren Frau begegnen“.
Und die innere Stimme erwiderte: „Sie wird Dir gegenüberstehen
in ihrer ganzen Schönheit. Geh, und ängstige Dich nicht. Ich werde
Dich zum Vater einer großen Kinderschar machen und Dein Name werde
berühmt im ganzen Ennstal“.
tat,
wie ihm die innere Stimme aufgetragen, machte sich auf, wankte freudig
nach Hause und legte sich zur Ruhe. Am Morgen des folgenden Tages
erhob sich
von seinem Nachtlager und begab sich in die Deutelhauser Schnapsbrennerei.
Er nahm einige Flaschen seines besten Vogelbeerschnapses um sie
seiner Auserwählten zum Geschenk zu machen.
So mit allem wohl versehen machte sich
auf die lange, beschwerliche Reise nach Schildlehen
und es fielen ihm die Worte der inneren Stimme ein: „Im Schweiße
Deines Angesichts sollst Du Dein Weib suchen.“ Und siehe da, er
fand auch das Haus wie ihm versprochen ward.
klopfte dreimal gegen die Tür und sogleich wurde
ihm aufgetan.
Mutter
fragte: „Bist Du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen
anderen warten? |
Was ist Dein
Begehren, Fremdling?“
erwiderte: „Gib mir
zum Weibe! Ich werde sie auf Händen tragen und es soll ihr wohlergehen,
so lange ich lebe.“
Vater
fragte: Wer bist Du und was sagst Du von Dir selbst?“
antwortete: „Ich bin ,
ein anständiger Bauer mit 10 Kühen. Ich esse gerne gebratene
Wurst, rauche kaum, trinke fast nie mehr, aber auch nicht weniger.
Mutter
und Vater
fanden Wohlgefallen an ihm und riefen nach ihrer Tochter: „Sieh
her, Dein Bräutigam ist gekommen, um Dich zu ehelichen.“
Als
ihn erblickte, sprach das gute Gewissen in ihr: „Denke an keinen
anderen mehr, es ist Dein Auserwählter.“ Sie verneigte sich
zur Erde, fing an, seine Füße zu küssen und ward erfüllt von dem
Hauch des Schnapses, der ihn umschwebte. Sie sprach: „,
ich bin Deine Magd. Ich will Dir nachfolgen, wohin Du auch gehst.“
nahm
bei
der Hand, sah ihr tief in die Augen und sprach: „,
Du bist die schönste unter all den Weibern von Schildlehen, komm
werde mein Weib! Ich will Dich mitnehmen und auf die Leiten führen,
wo Milch und Honig fließt.“
sprach:
„Wie soll das geschehen, da ich Dich als Mann gar nicht kenne? Vater
, der
dies hörte, rief: „Was für eine Freude, heute ist unserem Hause
große Freude widerfahren. Der Bräutigam kam um unsere Tochter
zu ehelichen.“ Mutter
sprach: „Du sollst meine Tochter glücklich machen und lieben aus
Deinem ganzen Herzen, aus Deiner ganzen Seele, mit Deinem ganzen
Gemüte und all Deinen Kräften. Dies ist das erste und größte Gebot.
Ein zweites ist aber diesem gleich: Du sollst auch Deine Schwiegermutter
lieben wie Dich selbst."
Und
und
schickten Boten aus, und Einladungen ergingen an nah und fern. Er
ließ allen sagen: „Seht, ich habe Euch das Hochzeitsessen bereitet,
meine Ochsen und die Hühner geschlachtet und meine Krüge mit Bier
und Wein gefüllt. Kommet alle zur Hochzeit!“ |